„Wenn ich sterben muss, scheiß drauf, dann sterbe ich“

Er hat vier Mal die Champions League gewonnen, ist ein Weltstar bei Real Madrid. Doch Marcelo gibt jetzt zu: Auch ich habe manchmal Angst, auf den Platz zu gehen! Negativer Höhepunkt: Das CL-Finale 2018 gegen Liverpool.

INTERVIEW

„Ich konnte nicht atmen und versuchte, nicht in Panik zu geraten. Das war in der Kabine, unmittelbar vor dem Champions-League-Finale 2018 gegen Liverpool. Es fühlte sich an, als hätte ich etwas in meiner Brust stecken. Dieser enorme Druck. (…) Alles begann in der Nacht vor dem Finale. Ich konnte nicht essen, nicht schlafen. Ich dachte nur an das Spiel.

Ich saß also in der Kabine, versuchte zu atmen und sagte mir: Wie viele Kinder auf der Welt träumen davon, ein Champions-League-Finale zu spielen? Millionen, Millionen, Millionen. Beruhige dich. Binde deine Schuhe zu, Bruder.“

Ich wusste, dass alles in Ordnung sein würde, wenn ich es bis zum Spielfeld schaffe. Meines Erachtens nach kann dort nichts Schlimmes passieren. Wenn du den Ball am Fuß hast, hörst du auf, nachzudenken. Alles ist ruhig und friedlich. Als ich dann den Rasen betrat, hatte ich noch immer Atemprobleme und ich dachte: Wenn ich hier heute sterben muss, scheiß drauf, dann werde ich sterben.‘

AUF DEM PLATZ

Als wir gegen Liverpool zum Warmmachen auf den Platz gegangen sind, konnte ich noch immer nicht ruhig atmen. Aber als wir uns zum Anstoß positionierten, unter all den Lichtern, und als ich den Ball in der Mitte sah, hat sich alles geändert. Ich sah den heiligen Ball. Ich sah den Stein vom Mond. Das Gewicht löste sich von meiner Brust. Ich hatte meinen Frieden. Da war nichts außer der Ball.

Dann, bei noch zehn Minuten Spielzeit, als wir 3:1 führten und der Gedanke in meinen Kopf schoss, dass wir wieder Champions-League-Sieger werden. Der Ball ging zu einem Einwurf ins Aus, ich hatte einen Moment zum Nachdenken und… Bruder, das ist wahr: Ich fing an zu weinen. Ich schluchzte auf dem Feld. Das war mir nie zuvor passiert. Nach einem Spiel? Ja. Mit einer Trophäe in der Hand? Ja. Aber nicht während eines Spiels. Es dauerte nur zehn Sekunden und als der Ball wieder im Spiel war, dachte ich: Scheiße, ich muss meinen Mann stehen!‘ Ich kehrte in die Realität zurück und spielte weiter.“

HIER DIE QUELLE

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